Museum "Alter Krug"

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15806 Zossen

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Schulmuseum

Kirchplatz 7 Fachwerkhaus
15806 Zossen

Do 10:00 - 12:00
Sa 10:00 - 12:00

Tel.: 03377 334346

Ausflug nach Fürstlich Drehna

4. Juli 2009

Text und Fotos: Rainer Reinecke
Fotoalbum

Der Vorstand des Heimatvereins hatte am Sonnabend, den 04. Juli, zu einer Besuchstour nach Fürstlich Drehna eingeladen. So trafen sich dreißig Wissbegierige auf dem Marktplatz von Zossen und traten mit einem schicken Reisebus ihr touristisches Abenteuer an. Ein Abenteuer schon deshalb, weil für diesen Tag schwere Gewitter angesagt waren. Doch ganz so schwer sollte es die Reisegruppe dann doch nicht treffen.



In Fürstlich Drehna angekommen, wurde die Gruppe vom Vorsitzenden des Kultur- und Heimatvereins, Arno Brückner, herzlich willkommen geheißen. Auf dem wiederhergestellten Pflaster des Ortskerns stehend, erfuhren die Besucher einiges zur Geschichte der Stadt mit ihrem historischen Ortskern, zum standesherrschaftlichen Sitz mit dem 1480 erbautem Wasserschloss. Brückner erinnerte auch daran, dass die Braunkohlebagger 22 Hektar des Parks bereits überbaggert hatten, bis diesen Einhalt geboten wurde. Bereits nach den ersten Worten Brückners war allen Zuhörern klar, dass sie von ihm Dinge erfahren werden, die so weder Prospekt noch in Reiseführern so vermittelt werden können. Dies vor allem, wenn er über das Engagement der Mitglieder des Kultur- und Heimatvereins für die Erhaltung des Schlosses und des Schlossparks spricht.

Bürgermeister eine Schmeißfliege

Nach der Wende war Frank-Wilhelm Binde, der Inhaber der Gaststätte „Zum Hirsch", Bürgermeister der Gemeinde. Unter seine Regentschaft konnte viele Millionen Fördermittel in nach Fürstlich Drehna fließen. Der Ministerpräsident soll ihn deshalb einmal sogar als Schmeißfliege bezeichnet haben. In seiner Gasstätte wurden die Besucher dann auch zum Mittag in Fürstlich Drehna fürstlich bewirtet.

Führung durch den Schlosspark von Fürstlich Drehna

Doch davor lag ein ausgedehnter Rundgang durch den Park. Vorbei am Schloss, welches auf einer ehemaligen Wasserburg gegründet wurde, hielten die Geschichtsfreunde im Schatten ca. 200 Jahre alter Gehölze inne. Bei der herrschenden Schwüle an diesem Tag ein angenehmer Ort . Hier erfuhren sie einiges über den Grafen Moritz zu Lynar, der 1793 den standesherrschaftlichen Besitz in Drehna kaufte. Die Lynars wollten offensichtlich ihren Besitz verschönern und ließen um 1813 einen Lustgarten mit Alleen und Pavillons anlegen. Doch schon weniger Jahre später, 1819 ließen sie den Lustgarten in einen Landschaftsgarten umwandeln. Die damals lediglich 11 Hektar umfassende Fläche soll nach einem Plan Lennes gestaltet worden sein. Dies hätten die Gärtner so überliefert. Unterlagen fehlen leider. Ob oder ob nicht, die Parkanlage lohnt heute immer einen Besuch.
1877 kaufte der Bremer Reeder und Handelsherr Wätjen die Herrschaft für seinen zweiten Sohn Carl. Der neue Besitzer erweiterte den Park auf 52 Hektar. Hier sind heute die in dieser Zeit gepflanzten Nadelgehölze, Douglasien, Fichten und verschiedene Kiefernarten zu bewundern. Vor allem die 40 Meter hohe, 129 Jahre alte und fünf Meter im Umfang messende Douglasie, dürfte wohl die größte ihrer Art nördlich der Elbe sein. Nach jedem Sturm, schauen die Mitglieder des Vereins, ob sie überlebt hat. Sie sei für sie immer ein Symbol. So wie dieser Baum gekämpft habe, wollen sie auch als Verein kämpfen.

Unter einem Hügel verberge sich ein Eiskeller mit einem sehenswerten Gewölbe. Im Winter wurde das Eis aus den Teichen gehackt und im Eiskeller für die schlosseigene Brauerei gelagert. In der Schlossbrauerei wird heute noch leichtwürziges Bier gebraut und manches Mal vom Braumeister im Hirsch selbst serviert. Brückner schwebt vor, diesen Eiskeller vielleicht einmal als Weinkeller zu nutzen. Bei der Hitze an diesem Tag, hatte sich bestimmt mancher Besucher einen Platz im Eiskeller gewünscht.

 

Kein OBI zu DDR Zeiten für Kettensägeblätter

Als dann über eine weite Grasfläche hinweg eine Rotbuche die Blicke auf sich lenkt, erzählt Brückner, wie seine Mitstreiter und er hier Hand anlegten, um im verwilderten Park die erste Sichtachse wieder entstehen zu lassen . Mit drei schwedischen Kettensägen habe der Forst geholfen. Dies war zu DDR¬Zeiten wie Goldnuggets. Da war OBI noch nicht im nächsten Ort. Jede Sägekette kostete Devisen. Wenn hierbei auch nur eine Sägekette entzwei gegangen wäre, hätte dies richtigen Ärger gegeben.
1945 ging der Park in staatliches Eigentum über. 1956 Übergab der Forst Schloss und Park der Gemeinde, die damit völlig überfordert gewesen sei. Als Handelsfachschule und Jugendwerkhof wurde das Arial genutzt. Als dann die Bagger kamen, hatten viele den Park bereits aufgegeben. Er sei von da an über Jahre vogelfrei gewesen. Durch die vom Tagebau veränderte Wasserbewirtschaftung wurde befürchtet, dass die Bepflanzung nicht mehr ausreichend Wasser erhalte. Auch der Ziegelteich, der in das Parkgelände integriert war, wurde überbaggert. Brückner sprach dann von einem gedeihlichen Miteinander von Bergbau und Parkfreunden, so dass bereits zu DDR-Zeiten ein Sicherungs- und Sanierungsprogramm in Angriff genommen wurde. Eigentümer ist heute die Brandenburgische Schlösser GmbH. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sei über die Schlösser GmbH involviert, so Brückner.
Der Panoramaweg über den höchstgelegenen Teil des Parks lässt den Blick über den Niederlausitzer Landrücken, über die Parkteiche zum Schloss ebenso zu wie über die vom Tagebau zurückgegebenen Flächen in das Restloch des Tagebaus. Gehört das Abbaggern eines Teils des Parks auch zu den braunkohleschwarzen Zeiten des Parks, so sieht Professor Helmut Rippl in den wiedergewonnen Flächen aber auch eine große Chance für die weitere Parkgestaltung.

Die Sache mit den immer wieder versetzten Begrenzungspflöcken

Die jetzigen Parkteiche so wie der an ihrem Ufer stehende gusseiserne Pavillon seien eigentlich I Fremdkörper im Park, erfuhren die Besucher. Lediglich ein Fließ sollte durch Meliorationsarbeiten etwas erweitert werden. Die Arbeiten wurden an den Wochenenden durchgeführt. In der Woche hatten die Freunde des Parks die Begrenzungspflöcke immer weiter nach außen geschoben. Dies konnte auch den Arbeitern nicht entgangen sein. Deren Arbeit wurde aber nach Kubikmetern bewegtes Erdreich bewertet und so war ihnen dies eigentlich egal. So ist der jetzige Parkteich 6,3 Hektar groß geworden. Der Pavillon, mit seinen bunten Fenstern, stammt ursprünglich vom ehemaligen Landsitz der Kaufmannsfamilie Wertheim. Von Gestrüpp befreit, wurde er im Kunstgusswerk Lauchhammer restauriert und dann im Einvernehmen mit dem Denkmalschutz im Park aufgestellt. Donnern und erste Regentropfen kündigten das Gewitter an, die Feuerwehrsirene rief zum Mittag. Die meisten erreichten den „Hirsch" auch noch trocken.

 

Bockwindmühle zum Nachtisch

Nach dem Mittag folgte dann noch ein kleiner Ausflug zur vom Heimatverein errichteten Bockwindmühle. Hier gab Wilfrid Pilz ebenfalls vom Kultur- und Heimatverein ebenso sachkundig Auskunft über die Funktionsweise der Mühle und das angrenzende Bergbaugelände wie zuvor Ardo Brückner über Schloss und Park. Noch 75 cm Wasserauffüllung fehlen den Bergbauseen bevor der geplante Wasserstand erreicht sei. Leider arbeite die Aufschüttung noch derart, dass bereits errichtete neue Verbindungsstraßen und Radwege wieder gesperrt werden mussten.
Wieder im Ortszentrum angekommen, nutzten die Besucher die Gelegenheit zu einer Visite im Besucherzentrum des Naturparks Niederlausitz und der mittelalterlichen, im Findlingsbau erbauten, Kirche. 1563 errichtete Caspar von Minckwitz die erste Kirchenmauer. 1895 wurde die Kirche dann völlig umgebaut.
Mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken in der alten Schule, 1889 von Carl von Wätjen errichtet, endete dann das Ausflugsprogramm. In Zossen wurden alle ein wenig unfreundlich empfangen. Ein heftiger Gewitterguss ließ diejenigen, die schnell nach Hause wollten, förmlich im Regen stehen. Die anderen rechneten mit der Einsicht des Busfahrers und blieben für die Zeit des Schauers einfach in Bus sitzen.
Text und Fotos: Dr. Rainer Reinecke

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