Museum "Alter Krug"

Weinberge 15
15806 Zossen

Mi: 15:00 - 18:00
Sa: 14:00 - 17:00

Tel.: 03377/300576

Schulmuseum

Kirchplatz 7 Fachwerkhaus
15806 Zossen

Do 10:00 - 12:00
Sa 10:00 - 12:00

Tel.: 03377 334346

Er führt was im Schilde

 12. März 2016

Text und Fotos: Rainer Reinecke

 

Eigentlich war diese Veranstaltung für den Einstieg in die Veranstaltungsreihe in „Alten Krug“ für das Jahr 2016 gedacht. Doch dann, ob mehr bittend oder fordernd, bewegte die Bürgermeisterin, Michaela Schreiber, die Vereinsvorsitzende Karola Andrae mit diesem Vortrag doch den Versammlungs- und Veranstaltungsraum im dritten Stock bei der Eröffnung des Fachwerkhauses einzuweihen. Wie die Zuschauerresonanz zeigte, letztlich eine gute Entscheidung.

Stefan Rothen von der Geschichtswerkstatt Rangsdorf demonstrierte dann in seinem Vortrag, dass Wappenkunde und Heraldik nicht nur etwas für Wappenfans Heraldiker sein muss, sondern das Wappen jedermann etwas zu sagen haben. Er klärte dann auch über sprechende Wappen auf. Jedoch wurde auch sehr schnell klar, dass der Laie nicht als erstes Literatur zur Hand nehmen sollte, in der Wappen professionell beschrieben werden, da würde bei vielen die Phantasie dann doch überfordert werden. So wird das Wappen des Landkreises fachsprachlich beschrieben: "Gespalten und halb geteilt von Silber, Rot und Silber über einem in vier Reihen von Schwarz und Silber geschachten Schildfuß; vorne ein halber gold-bewehrter roter Adler am Spalt mit goldenem Kleestengel auf dem Flügel, hinten belegt mit einem goldenen Krummstab mit vier roten Edelsteinen am Knauf."

Wappen
Landkreis TF

Da durch die aufkommenden geschlossenen Rüstungen im Mittelalter Freund und Feind in der Schlacht kaum zu unterscheiden waren, wurden Wappen auf Schild und Rüstung getragen. Seitdem breiten sich Wappen als Familien-, Zunft- und Hoheitswappen aus. Doch bevor die Besucher erfahren sollten, was Wappen ihnen sagen können, waren doch einige Grundbegriffe notwendig.
So bezeichnet Panier in der Wappenkunde den Schlachtruf im Wappen. Als Beispiel dafür führte Rothen u.a. an: „Maria Hilf“ an. Das Panier ist meist im Oberteil des Wappens zu finden.  Neben dem Panier ist oft noch eine Devise, ein Wahlspruch im Wappen verankert. Als solch einen Wahlspruch nannte Rothen: „Amor Vincent Omnia“, Liebe besiegt alles. In anderen Quellen wird eine andere Wortfolge für richtig gehalten Omnia vincit amor. Dies nur nebenbei bemerkt.

Wappenelemente


Die Grafik zu den Wappenelementen wurde Wikipedia entnommen.
Kreuz ist nicht gleich Kreuz
Viele Wappen enthalten ein Kreuz. Kreuze sind jedoch nicht erst mit dem Christentum aufgekommen. Bereits in der Steinzeit, so Rothen, sei das Kreuz Kultgegenstand gewesen. Dabei steht die horizontale Linie für die Erde, die vertikale Linie deutet auf den Himmel. Das Kreuz symbolisiert so die Einheit von Erde und Himmel. Aber Kreuz ist nicht gleich Kreuz. Gerade auch auf den Wappen erscheint das Kreuz in sehr unterschiedlichen Formen.

 Die verschiedenen Kreuze in den Wappen


Bei den sprechenden Wappen regte Rothen die Phantasie der Zuschauer an. Sie sollten versuchen, den sich hinter dem Wappen verbergenden Namen selbst zu erkennen. Mit Hilfe gelang diesen das oft auch. Als eines der sprechenden Wappen präsentierte Rothen das Wappen des Ritters Henning von Strohbund. In der Mitte des Wappens die Blüte von Klatschmohn umgeben von gebundenem Stroh. Auch das Stadtwappen von Magdeburg, eine Magd auf einer Burg lässt den Rückschluss auf den Namen zu.

Ritter Henning von Strohbund Wappen Magdeburg

Auch die Herolde trugen bei ihren Turnierkämpfen Schilder mit ihren eigenen Wappen.


In seinem Vortrag verwendete Rothen auch uns heute noch bekannte mittelalterliche Aussprüche. Bereits der Titel des Vortrages „etwas im Schilde führen“ geht auf das Wappen im Schild des Ritters zurück. Und bedeutet heute etwas vorhaben oder beabsichtigen, von dem andere noch nicht genau wissen was dies sein wird. „Für jemanden eine Lanze brechen“ geht auf die Turnierkämpfe zurück und bedeutet heute, sich für jemanden einsetzen. Auch dass der Herr links von der Dame geht ist auf die Ritterzeit zurückzuführen. Die links getragene Waffe wird dabei als Ursache genannt. So zitierte Rothen auch aus Goethes Faust, Faust zu Gretchen:
„Mein schönes Fräulein, darf ich wagen,
Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen? „
und fragt ins Publikum, wer denn Gretchens Antwort kenne. Ohne groß zu überlegen antwortet eine Besucherin:
„Bin weder Fräulein, weder schön,
Kann ungeleitet nach Hause gehn.“

Zossener Wappen Karola Andrae dankt Stefan Rothen

Am Ende des Vortrags ging Rothen auch auf das Zossener Wappen ein. Nach seiner Meinung entspricht dieses nicht ganz den historischen Gegebenheiten.
Darauf reagierte Karola Andrae in ihrem Dank an Stefan Rothen. „Ich kann mich noch erinnern in wie vielen Ausschusssitzungen und Stadtverordnetenversammlung über dieses Wappen diskutiert und gestritten haben. Ich ahnte nicht wie viel Theater um solch ein Ding machen kann. Schließlich kostete das ganze Vorhaben der Stadt noch mehrere tausend DM.“