Museum "Alter Krug"

Weinberge 15
15806 Zossen

Mi: 15:00 - 18:00
Sa: 14:00 - 17:00

Tel.: 03377/300576

Schulmuseum

Kirchplatz 7 Fachwerkhaus
15806 Zossen

Do 10:00 - 12:00
Sa 10:00 - 12:00

Tel.: 03377 334346

Spinnstubenzauber

 

Autor Klaus Voeckler (l) u. Illustrator Jürgen Melzer (r)
signieren ihr Werk

Am Sonnabend, dem 19. November hatten sich mehr als fünfzig Menschen aus Zossen und Umgebung auf den Weg in das Schulmuseum gemacht. Dort hatten zuvor fleißige Helfer alles für den Empfang vorbereitet. Autor Klaus Voeckler und Maler Jürgen Melzer saßen bereits am Tisch und signierten schon vor Beginn die ersten Bücher. „Spinnstubenzauber“ waren dann die einführenden Worte von Klaus Voeckler sicher nicht, sie erklärten aber, weshalb er das Buch so überschrieben hat. „Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts,“ so Klaus Voeckler, „wurden in Spinnstuben aber auch beim Federreißen Geschichten erzählt. Dabei kam es gar nicht so sehr auf Dichtung oder Wahrheit an.“ So wurden Sagen, Erzählungen und Schnurren von Generation zu Generation weitergegeben und auch immer etwas anders erzählt.

Die Vereinsvorsitzende Karola Andrae berichte in ihrer Begrüßung, dass beim Verein zahlreiche Nachfragen eingegangen seien, wann denn der Verein endlich wieder etwas aus der Region veröffentlichen würde. Als sie bei Klaus Voeckler nachfragte, ob denn nicht eine Sammlung von Sagen drin sei, habe dieser geantwortet: „Hab ich schon fertig, fehlt nur noch das Vorwort.“ Dennoch habe es noch ein Jahr gebraucht bis „Spinnstubenzauber“ erscheinen konnte. Die Finanzierung musste gesichert sein, bevor mit dem Wartberg-Verlag zusammengearbeitet werden konnte. Für die Illustrationen sei zunächst an einen Schülerwettbewerb gedacht worden. Dagegen hätten jedoch die hohen rechtlichen Hürden gesprochen. Bei einer Vorstandssitzung meldete sich dann Jutta Melzer: „Mein Mann kann bestimmt ein paar Bildchen dazu malen.“

Von den paar „Bildchen“, ist jedes einzelne eine kunstvolle Illustration der jeweiligen Geschichte. In ihnen widerspiegeln sich auch die Erfahrungen eines langen Malerlebens.

Buchtitel (l) Illustration zu Die Schlangen in "olle Jlienink" (r) (gemeint Glienick)

Vor mehr als achtzig Jahren riefen die Lehrer Walter Garnatz und Fritz Jungnitsch die Menschen in der Region auf, das mündlich weitergebene Volksgut, zusammenzutragen. In dem Büchlein „Teltower Sagen“ hinterließen sie 1932 dann die Sammlung der Nachwelt. Jetzt vierundachtzig Jahre später hat Klaus Voeckler zusammengetragen, was ihm in vielen Gesprächen mit älteren Frauen und Männern zugetragen wurde. Viele der Befragten hätten erst gar nicht darüber sprechen wollen. Sie befürchteten, verlacht zu werden, wenn sie über Zauber, Gnome und Hexen Auskunft geben sollten. Jedoch bald hatten sie Klaus Voeckler vertraut und ihm Überliefertes erzählt. Ihm selbst habe die Großmutter verleitet sich mit den Geschichten von Gnomen, Hexen und Zauberei zu beschäftigen. Während der Stromausfälle im II. Weltkrieges hätten sie oft bei selbstgefertigten Kerzen, bei denen Kerzenwachs in Sonnenblumenstiele gegossen wurde, am Kachelofen gesessen. Wenn dann die Kerzen flimmerten und das Flimmern Figuren auf die Kachel des Ofens auftauchen und wieder verschwinden ließen, die dann auch noch Grimassen schnitten, war er schon fast geneigt den Erzählungen der Großmutter über die Gnome im Wald, die Hexe in der Scheune oder dem Zauberer, der Krankheiten herbeizaubern konnte, Glauben zu schenken. Sie habe mit einer solchen Hingabe darüber gesprochen, als seien diese Figuren in ihrer unmittelbaren Nähe.

Als Kind sei er auch von der Schulbücherei in Nächst Neuendorf begeistert gewesen. Hier habe er das Teltower Sagenbuch gefunden. Für seine Sammlung habe er auch den Vorzug gehabt, von der Tochter des Heimatforschers Karl Fiedler dessen handschriftlichen Nachlass zu erhalten.

In einem kurzen historischen Abriss erwähnte Voeckler die Gebrüder Grimm, Theodor Fontane, Willibald von Schulenburg und aus der Region Karl Fiedler. Geschichten seien bereits von den alten Germanen weitergegeben worden. Dabei seien Religion und Mystik zwei Gewächse aus einer Wurzel, sie liegen eng beieinander. Mit der Reformation sei der Glaube an Zauberei auch noch nicht beendet gewesen. Selbst Luther habe dazu nicht eindeutig Stellung bezogen. So dass auch in reformistisch geprägten Ländern noch „Hexen“ verbrannt wurden.

Nach dieser Einführung sollte die Lesung beginnen, jedoch nach drei kurzen Geschichten „Der Leuchtemann am Saalower Graben“, „Die Häxe an de Kuehstalltöere“, „Der standhafte Mann“ war sie schon zu Ende. Aber die drei Geschichten waren so gewählt, dass bestimmt jeder Anwesende die anderen zweiundneunzig Geschichten, Sagen und Schnurren nun selbst lesen wollte.

Jürgen Melzer merkte zum Schluss der Veranstaltung an:

„Früher hat sich bei den Leuten noch etwas im Kopf abgespielt. Leider gibt es im digitalen Zeitalter diesen Spinnstubenzauber nicht mehr.“ Verschmitzt setzt er dann noch hinzu: „Aber ich glaube heute noch an Zauber.“

Klaus Voeckler: Spinnstubenzauber -Sagen, Geschichten und Schnurren aus der Zossener Region
Illustration: Jürgen Melzer
Herausgeber: Heimatverein „Alter Krug“ Zossen e.V.
Wartberg-Verlag 2016

ISBN 978-3-8313-2278-7

Text und Fotos: Rainer Reinecke