Museum "Alter Krug"

Weinberge 15
15806 Zossen

Öffnungszeiten:

Mi 15:00 - 18:00
Sa 14:00 - 17:00

Tel.: 03377/300576

Schulmuseum

Kirchplatz 7 Fachwerkhaus
15806 Zossen

Do 10:00 - 12:00
Sa 10:00 - 12:00

Tel.: 03377 334346

Ausstellung eröffnet

15. März 2018

„Ene mene Tintenfass geh in die Schul' und lerne was . . .“, so haben die ehrenamtlichen Mitarbeiter die am 15. März eröffnete Sonderausstellung überschrieben.

Mit einem Glas Sekt wurden die Besucher zur Ausstellungseröffnung begrüßt. Die Anschauungstafeln, die ausgestellten Dokumente, Lehrbücher und Schülerarbeiten sowie auch Experimentierutensilien aus dem Biologie- Chemie- und Physikunterricht vermitteln einen Einblick in 300 Jahre Schulgeschichte. Die Schulpflicht wurde in Preußen von König Friedrich Wilhelm I. am 28. September 1717, vor 300 Jahren eingeführt.

 Die meisten der Besucher haben als ehemalige Lehrer und Lehrerinnen ein Stück Schulgeschichte mitgeschrieben und dies in einer Zeit die mit der Wiedervereinigung auch mit einem Umbruch im Schulsystem der ehemaligen DDR verbunden war.

So begrüßte Gudrun Haase, ehrenamtliche Leiterin des Museums, die Besucher mit liebe Kollegen, liebe Gäste. Ironisch bemerkte ein Besucher: „Kollegen und Kolleginnen bitte!“ worauf Jutta Graumann vom Team des Schulmuseums reagierte: „Wir eröffnen hier eine historische und keine hysterische Ausstellung.“

Karola Andrae, Vorsitzende des Heimatvereins, verwies auf die besonderen Leistungen, die für die Gestaltung derartige Ausstellungen ehrenamtlich erbracht werden. Nach ihren Erfahrungen seien allein für die technische Fertigstellung einer Ausstellung im „Alten Krug“ 80 Arbeitsstunden nötig.

Bei der anschließenden Führung durch die Ausstellung übernahmen dann die einzelnen Mitarbeiter ihren jeweiligen Part. Zu Beginn führte Gudrun Haase nochmals kurz in die Geschichte ein. Sie erklärte, dass am Anfang des Schulwesens Religion das Hauptfach darstellte und der Kleine Katechismus den Martin Luther 1529 als Einführung in den christlichen Glauben verfasst hat, in den öffentlichen Schulen in evangelischen Gebieten das wichtigste Unterrichtsmittel war. Als letzte Seite wurde das kleine und große Einmaleins eingefügt. Dem Schulreformer Friedrich Eberhard von Rochow (* 11. Oktober 1734 in Berlin; † 16. Mai 1805) sei es zu verdanken, dass in das Schulwesen das erste Lese- und Sachbuch „Der Kinderfreund“, erster Teil 1776, zweiter Teil 1779 eingeführt wurde. Ein Exemplar von 1833 ist in der Ausstellung zu sehen.

Heute schleppen sich schon die Schüler an der Grundschule mit unzähligen Büchern und Lernmitteln auf dem Weg zur Schule ab. Bis etwa 1940, so Jutta Graumann, genügte ein Buch für alle Unterrichtsfächer, das Realienbuch. Eines davon ist ebenfalls ausgestellt.

 

Das Realienbuch - ein Buch für alle Unterrichtsfächer

Im zweiten Raum der Ausstellung führte Rosemarie Awdoschin in die Historie des Schreibenlernens in der Schule ein. Einen Einblick dazu erhalten die Besucher anhand der Anschauungstafel: „Schreiben - ein wertvolles Kulturgut“.

Rosemarie Awdoschin - Schreiben ein Kulturgut

Vor der nächsten Tafel, „Singen und Musizieren“, vermittelte Jutta Graumann Einsichten in den Musikunterricht vergangener Jahrzehnte. An vielen Schule fanden sich auch sangesfreudige Schüler in Schulchören zusammen.

Über die Bedeutung künstlerischen Gestaltens für die Entwicklung kreativer Fähigkeiten sprach Christa Bauer. „Künstlerisches Gestalten“, so ist auch die entsprechende Anschauungstafel überschrieben.

Im Raum 1 in der Glasvitrine Schülerarbeit unter Lehrerin Frau Multrus

Naturwissenschaften an Schulen zu lehren und zu lernen, war von jeher eine Herausforderung für Lehrer und Schüler. Über den notwendigen Umfang dieses Teils der Schulbildung wurde oft heftig gestritten. Darauf verwies auch Volker Kling an der Tafel: „Naturwissenschaften im Unterricht“.

Rosa Ling -  experimentierfreudig

Rosa Kling sprach fast euphorisch über jene Experimente, die einst im Biologie- Physik- und Chemieunterricht durchgeführt wurden. Wie einige Experimente aufgebaut waren wird originalgetreu gezeigt.

In lockeren Runden beherrschte ein Thema die Diskussion: „Schule vor und nach der Wende“. Plötzlich schien aus der Ausstellungseröffnung eine Fachtagung zu werden. Ob sich die anwesenden ehemaligen Lehrerinnen und Lehrer bewusst sind, dass sie ein einschneidendes Stück Schulgeschichte mitgeschrieben haben?

Vielleicht sollten sie überlegen, sich zusammenzutun, um ihre Erfahrungen aufzuschreiben oder auch anderweitig zu dokumentieren.

Text und Fotos: Rainer Reinecke