Museum "Alter Krug"

Weinberge 15
15806 Zossen

Wir treten in die Winterpause bis Anfang März. Unter Zossen 03377/300576 können Sie einen Winterbesuch vereinbaren.

Tel.: 03377/300576

Schulmuseum

Kirchplatz 7 Fachwerkhaus
15806 Zossen

Do 10:00 - 12:00
Sa 10:00 - 12:00

Tel.: 03377 334346

Frühwanderung 2017

 

Am Kreuzweg der ehemaligen Straßen nach Luckenwalde und Trebbin

Am Sonnabend, den 6. Mai trafen sich mehr als zwanzig Heimatfreunde zur diesjährigen Frühwanderung rund um Schünow. Sie trafen sich mit Karola Andrae, der Vereinsvorsitzenden, und Heimatforscher Klaus Voeckler bereits um 07:00 Uhr gegenüber der Bushaltestelle in Schünow. An Ort und Stelle gab Klaus Voeckler gleich einen tiefen Einblick in über 800 Jahre Geschichte des Ortes. So war auch der Treffpunkt nicht von ungefähr gewählt, ein uralter Kreuzweg mit Verbindung nach Trebbin und Mittenwalde. Obwohl der Name Schünow vielleicht auf eine slawische Abstammung schließen lässt, sei so gut wie sicher, dass Schünow nicht slawischen Ursprungs ist, so Voeckler.

Die Teilnehmer erfuhren von ihm, wessen Untertanen die Schünower Vorfahren waren. Im 16. Jahrhundert habe ein seltsames Herrschaftsgefüge bestanden. Da mischten auch die von Otterstedts aus Dahlewitz mit. Dann waren da die Herren von Torgow und nach Ableben des letzten von Torgow, die böhmische Krone, die ihre Untertanen mit Abgaben und für die Herrschaften zu leistende Arbeiten ausbeuteten. Der dreißigjährige Krieg und Seuchen hätten auch vor Schünow nicht Halt gemacht und die Einwohnerzahl mehrfach dezimiert.

Auch über die Gerichtsbarkeit im 18. Jahrhundert erfuhren die Zuhörer einiges. So wurden Frauen, die die ihren Streit nicht beilegen konnten und nicht der örtlichen Gerichtsbarkeit unterlagen, vom Amtsgericht verurteilt. Sie wurden an den Pranger gestellt, gestaubt, d.h. geprügelt, gepeitscht oder in den Stock geschlossen. Frauen vom horizontalen Gewerbe wurden nach Sachsen abgeschoben.

Nach noch mehr Geschichte über das Leben der Bauern und des Küsters, über die Hardenbergsche Gesetze und über die Neuansiedlungen von Handwerkern nach den verheerenden Katastrophen und Kriegen setzte sich dann die Gruppe in Bewegung.

Das erste Mal hielt die Gruppe vor dem Kindergarten Bienennest und der Feuerwehr Schünow. Bei einer Revision im 18. Jahrhundert, so Voeckler, sei festgestellt worden, dass die Löschbereitschaft der Feuerwehr in einem jämmerlichen Zustand war. Nicht einmal ausreichend Löscheimer seien vorhanden gewesen. Eine alte Schönower Löschspritze sei vom Unternehmen Schalk-Golodkowski verscherbelt worden. Heute steht sie im Technikmuseum in Berlin.

Auf den Weg zu den Zwerbergen  Am Rande der Eiszeitinsel

An der nächsten Station, der Schünower Heide erfuhren die Wanderer einiges über die Art und Weise, wie die Schönower Vorfahren Landwirtschaft betrieben. Der karge Boden allein konnten die Bauern nicht ernähren. Vor allem fehlte Holz als Brennmaterial. So wurde ein Torfstich angelegt. Das Vieh, nicht nur Schafe, sondern auch Schweine wurden hier in die Heide getrieben.

Auch auf dieser Wanderung hörten die Teilnehmer die Geschichte vom Wilddieb und Mörder der 1919 den Förster und seinen Begleiter erschoss, für den sein Vater ins Gefängnis ging und der den Mord erst kurz vor seinem Tod gestanden hat. Mit der Wilderei hat er nie aufgehört und vertickte seine Beute nach Berlin.

Nach kurzer Wegstrecke standen alle am Rande der Glienicker Eiszeitinsel, Zwergberge oder, wie die Schünower sagen, Zwergenberge. Die Besiedlung in dieser Gegend soll bis über 6000 Jahre zurückreichen. Voeckler berichtete über archäologische Grabungen die hier ein bronzezeitliches Gräberfeld zutage förderten. Die Menschen hier glaubten an Zwerge, die ihre Schätze hier vergraben haben sollen, an Gnome, riesen und auch Feen. Ob hier wie in Island eine Feenbeauftragte eingesetzt wurde ist jedoch nicht überliefert.

Im Grau des Morgens die Skyline von Schünow

Bei einem Blick über den Feldrand war bald die Skyline von Schünow mit dem alles überragenden Kirchturm zu sehen. Die Kirche von Schünow sollte dann auch der vorerst letzte Punkt der Wanderung sein. Hier empfing die Wanderer Fam. Mehlis, die sich ehrenamtlich um die Schünower Kirche verdient machen. Als Gast begrüßten alle ganz herzlich die vierundneunzigjährige Flora Konath. Klaus

 Fiola Kunert in der Kirche  Die Kirchenorgel

Voeckler bezeichnete sie als die lebende Ortschronik mit einem unwahrscheinlichen Zeit- und Ereignisgedächtnis, die er auch als Zeitzeugin zu Rate zog. Andrea Konath spielte einige Stücke auf der Orgel. Die Pfeifen der Orgel wurden im I. Weltkrieg als Rohstoff für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen. 1989 wurde dann die Orgel von der Firma Schuke aus Potsdam regeneriert.

Zum Abschluss dieses Tages genossen die Wanderer die Gastfreundschaft des Kayser-Hofes. Hier hatte Klaus Andrae die Würstchen gewärmt.

Dank an allen, die dieses Erlebnis für die Wanderer ermöglicht haben.

Text und Fotos: Rainer Reinecke